Poulet-Hype mit Rissen?

09.08.2017

Geflügelfleisch ist als eher günstiges und leicht bekömmliches Fleisch bereits seit Jahren im Trend – dies trotz der besonderen Anforderungen an die Küchenhygiene.

Auch gibt es keine grössere Religionsgemeinschaft, die auf dessen Konsum verzichten muss. Schon heute verdrängt das Poulet das Schwein in kleinen Schritten aus der einen oder anderen Kantine. In den letzten Jahren ist es gelungen, die Geflügelproduktion in der Schweiz mit international vergleichsweise geringen Besatzdichten bzw. einem hohen Anteil an Wintergärten und Auslaufhaltungen stark auszuweiten und den Inlandanteil auf 57% (2016) zu hieven. So wird es immer weniger schwierig, einheimisches Pouletfleisch anzubieten.
Nun sieht Adrian Krebs, der Chefredaktor der «Bauern­zeitung», dunkle Wolken am Horizont aufziehen. Die Masthallen entsprächen oft nicht dem Bild, das landwirtschaftsferne Bevölkerungsschichten von einem Bauernhof hätten, moniert er nicht ganz zu Unrecht. Entsprechend wüchsen die Schwierigkeiten, Bewilligungen für die benötigten Neubauten zu erhalten. Klar ist, dass wer effizient produzieren will, auch eine gewisse Bestandesgrösse sowie ein rationell organisiertes Produktionssystem braucht. Denn von einem Dutzend Hühner, die im Vorgarten gackern, kann kein Bauer leben. Weitere Gefahren sieht Krebs beim Image der Mastgeflügelhaltung, z. B. weil diverse Futterkomponenten – teils Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung – zu einem grossen Teil importiert würden. Die Schuld an der wachsenden Kluft zwischen den Erwartungen der Konsumenten und der bäuerlichen Realität gibt er jedoch der Werbung: «Die Grossverteiler zeigen gerne Hühner, die ihre Eier im Obstgarten in die Schachtel legen», schreibt er in seiner Zeitung.
Ganz Unrecht hat Krebs mit seiner Analyse wohl nicht. Es gilt, ebenso bei der Kommunikation den goldenen Mittelweg zu finden. Einerseits soll kein allzu idyllisches Bild der Tierhaltung verbreitet werden, das nur wenig mit der Realität gemeinsam hat; andererseits will aber auch nicht jeder Konsument alles sehen. «Geschichten erzählen» lautet daher ein Geheimrezept der Marketingstrategen. Diese Geschichten müssen den Tatsachen folgen und so ausgelegt sein, dass sie der Konsument gerne hört und es anhand dieser gelingt, das gute Image des Geflügelfleischs (und des Fleischs generell) auch weiterhin zu behalten.

Ruedi Hadorn, SFF-Direktor

 
 
 
Ruedi Hadorn, SFF-Direktor