«Freiheit fordert Verantwortung ...»

05.08.2020

«... das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten», stellt der englische Dichter G. B. Shaw nüchtern fest.

Als bekanntlich emotionalstes Lebensmittel steht Fleisch immer wieder im Blickpunkt des Interesses von Gesellschaft und Politik, lässt es sich doch für die unterschiedlichsten Beweggründe wie Tierschutz und Ethik, Umwelt und Klima, aber auch Ernährung und Gesundheit bestens instrumentalisieren. Wenn dies dann noch mit einer entsprechenden «Skandal»-Meldung verbunden werden kann, dann ist die Ausgangslage für die jeweiligen Exponenten schon fast perfekt. In solchen Situationen steht es unserer Branche jeweils offen, so oder anders zu handeln. In der Vergangenheit taten wir dies, indem wir die jeweilige Sachlage möglichst objektiv, mit Bedacht und faktenbasiert darlegten – wobei dies von der Öffentlichkeit teils besser, teils weniger gut aufgenommen wurde. All diesen Botschaften und Nachrichten ist gemein, dass deren Anstoss von aussen kommt und uns als Branche gezwungenermassen lediglich ein «bestmögliches Re-Agieren» übrigblieb. Gefragt ist zukünftig vermehrt ein «proaktives Agieren»! Gerade aufgrund seiner vom Bund anerkannten Systemrelevanz und des erwiesenermassen gewichtigen Engagements des Fleischsektors zur Versorgungssicherheit vor allem während der Lockdown-Phase hat mittlerweile ein gewisses Umdenken eingesetzt. So ist festzustellen, dass die lokalen Metzgereien und Fleischfachgeschäfte wieder vermehrt Wertschätzung erfahren durften und erfreulich viele Medienbeiträge die diversen Herausforderungen unseres Sektors in objektiver Art und Weise darlegten bzw. mehrere Persönlichkeiten im verdient positiven Licht erscheinen liessen. Diese nicht alltägliche Chance gilt es für uns im Sinne des proaktiven Agierens unbedingt zu nutzen! Voraussetzung hierfür ist aber die Schaffung von Vertrauen und Glaubwürdigkeit ausnahmslos über die gesamte Fleischkette hinweg. Gegenüber den (wenigen) «schwarzen Schafen», welche erfahrungsgemäss den sukzessive aufgebauten Goodwill für einen ganzen Sektor auf einen Schlag zunichtemachen, gilt für uns als Verband und Metzgerschaft die bisher erfolgreich frei gewählte und praktizierte Nulltoleranz. Denn der Volksmund lehrt uns: «Freiheit ist nichts anderes als die Möglichkeit, unter allen Bedingungen das Vernünftige zu tun.»

Ivo Bischofberger, Präsident
Ruedi Hadorn, Direktor