Ausreizen bis zum Geht-nichtmehr!

14.10.2020

Wie hinlänglich bekannt, setzt sich der SFF schon seit Jahren sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene dezidiert dafür ein, dass die Verwendung von fleischspezifischen Begriffen für vegane und vegetarische Speisen nicht mehr länger zulässig bleibt.

Um es klar und deutlich zu sagen: Der Verzehr solcher Speisen liegt einzig und alleine in der Wahlfreiheit jedes und jeder Einzelnen, da gibt es nichts zu rütteln – wenn es aber um das «Über-den-Gartenzaun-Fressen» geht, dann sehr wohl! Die Verwendung von Begriffen der Fleischbranche für vegane und vegetarische Speisen ist aus Sicht des SFF inakzeptabel, weil sie einerseits einer Konsumententäuschung gleichkommt und sich andererseits Unternehmen mit fleischlosen Produkten im Markt zu positionieren versuchen und dafür genau diejenigen Begriffe verwenden, von denen sie sich ja abheben wollen. Auch ist unverständlich, dass auf Stufe Gesetzgeber spezifische Vorgaben für tierische Produkte bestehen, die trotz der Verwendung von fleischspezifischen Begriffen für die besagten fleischlosen Produkte nicht gelten – der Widersprüche sind also noch und noch! Auch dank der Interventionen des SFF hat das BLV erstmals im November 2019 ein Informationsschreiben veröffentlicht, das zumindest die gröbsten Missbräuche unterbindet. Wie die Praxis leider zeigt, gibt es jedoch diverse Lebensmittel-Grossunternehmen, die angesichts der vorhandenen wirtschaftlichen Anreize diese Bestimmungen bis zum Geht- nichtmehr und gar darüber hinaus ausreizen. So muss man sich fragen, wie statthaft Slogans wie z. B. «The vegetarian butcher – der einzige Metzger, den Menschen und Tiere lieben» denn wirklich sind? Aus Sicht unseres Verbandes wird mit derartigen Marketingaktionen klar eine rote Linie überschritten, was mit der kreativen Schaffung von eigenen, fleisch­freien Begriffen eigentlich vermieden werden könnte. Wir fordern daher das BLV bzw. das Parlament inständig auf, hier für ein und alle Mal Klarheit zu schaffen! Interessant ist dabei auch, dass das europäische Parlament sich unserem Kenntnisstand zufolge nächste Woche mit einer ähnlichen Vorlage befassen wird, die u. a. auch auf Initiative unseres europäischen Verbandes zustande gekommen ist. Hoffen wir, dass dem unsäglichen Treiben endlich ein Ende gesetzt wird – Zeit dazu wäre es allemal!

Ivo Bischofberger, Präsident
Ruedi Hadorn, Direktor