Des einen Freud, des anderen Leid!

25.11.2020

In den Diskussionen mit vielen unserer Mitglieder schimmert auf deren Sorgenbarometer nebst den Verwerfungen der derzeit alles dominierenden Pandemie immer wieder das sehr hohe, zu hohe Preisniveau beim Rohmaterial, d. h. den Schlachttierpreisen, durch.

Diese stellen das eigentliche Ergebnis des Zusammenspielens der Marktkräfte, d. h. von Angebot und Nachfrage, dar, wobei es als Eigenart des Fleischsektors auch die Entwicklungen bei den einzelnen Teilstücken zu berücksichtigen gilt. Nachdem sich hierzulande rein auf der Basis der verfügbaren Ressourcen nur rund vier Fünftel des Fleischbedarfs vor Ort produzieren lassen, zeichnet sich der hiesige Fleischmarkt alleine grundsätzlich durch einen Nachfrageüberhang aus. Diesem Umstand wird bekanntlich seit jeher mit Importen Rechnung getragen, die entweder zu günstigeren Tarifen mittels Versteigerung auf der Basis der Proviande-Freigaben innerhalb bzw. zu massiv höheren Ansätzen ausserhalb der jeweiligen Zollkontingente getätigt werden. Dabei für den Fleischmarkt charakteristisch ist, dass jeweils nur geringe Mengenänderungen zu hohen Preisanpassungen führen. Unter Einbezug der obigen Mechanismen sieht sich die fleischverarbeitende Branche schon seit geraumer Zeit einem klar zu hohen Kostenniveau beim Rohmaterial ausgesetzt, das durch die sinkenden Rindviehbestände sowie den neuen Corona-Kostenblock nun noch zusätzlich verschärft wird. Auch in Anbetracht des vermehrt drohenden Einkaufstourismus können diese Mehrkosten (leider) nicht einfach telquel an die nachgelagerten Stufen weitergereicht werden, was den Margendruck auf die fleischverarbeitende Branche noch mehr erhöht. Wenngleich man sich in bäuerlichen Kreisen verständlicherweise über die überaus hohen Schlachttierpreise freut und sich unentwegt für deren Weiterbestehen einsetzt, so hat auch hier die Medaille zwei Seiten: Dies zeigt sich besonders in den letzten Wochen und Monaten eindrücklich im Ausland, wo Corona- bzw. ASP-­bedingt diverse Schlachtbetriebe teils stillstehen und sich die Schlachttiere zusehends in den Ställen stauen! Gerade auch unter diesem Aspekt gilt es nicht nur den bäuerlichen Fleischproduzenten, sondern auch den ihnen nachgelagerten Strukturen der Metzgerschaft unbedingt Sorge zu tragen, sind diese für unser Land doch ebenso systemrelevant!

Ivo Bischofberger, Präsident
Ruedi Hadorn, Direktor